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Die Regeln guter Unternehmensführung

Unternehmen entwickeln ihre Kulturen und Werte und daraus abgeleitete verbindliche Verhaltensweisen aller Mitarbeiter. Ob diese Regeln von allen eingehalten werden, überwachen die Methoden der so genannten Compliance und Corporate Governance.
Unternehmen, die wegen Bestechlichkeit und Vorteilsnahme ins Kreuzfeuer öffentlicher Kritik geraten waren, reagierten umgehend. So stellte SIEMENS nach dem Bestechungsskandal 2011 hunderte eigener „compliance–officers“ ein.


Investoren erwarten Regeln

Auch diesmal kommen Regeln aus den USA. Dort waren zusätzliche Regelüberwachungen von Konzernkulturen sicher nötig und hilfreich, doch europäische Rechtsordnungen enthalten bereits eine Vielzahl von Regeln zur Corporate Governance, die man sich nur einmal vor Augen führen muss:

  • Man denke nur an die Vorschriften im deutschen und österreichischen Recht zur Information des Aufsichtsrats durch den Vorstand und zu dessen Mitentscheidungsbefugnissen.
  • Obwohl also bei uns oftmals gar nicht intern nötig, erwarteten angelsächsisch verwurzelte Investoren auch bei uns eine "Bibel" guter Unternehmensführung.
  • Meist vergebens, weil wir diese in der ihnen gewohnten Form eben nicht brauchen.

Compliance bringt Wettbewerbsvorteile

Um jedoch Wettbewerbsnachteile auf Dauer zu vermeiden und den Usancen der Investoren gerecht zu werden, haben wir in Deutschland das Thema Corporate Governance aufgegriffen.

Viele Versionen sind nichts anderes als eine Zusammenstellung längst selbstverständlicher und bestehender Regelungen, die das Common Law der Angelsachsen nicht kennt.

Um es gleich deutlich zu betonen: Regeln guter Unternehmensführung

  • machen kein besseres Unternehmen
  • garantieren keinen unternehmerischen Erfolg
  • fördern nicht die Unternehmenslebensfähigkeit der Unternehmung
  • verbessern keine unternehmerischen Entscheidungen

Sie sind und bleiben eben „nur“ Leitbilder und Grundlage für sorgfältige Vorbereitung und Kontrolle in der Führung eines Unternehmens.

Alleine die Zusammenstellung relevanter Regelungen i.S. der sowieso wichtigen Compliance wie auch die Schaffung freiwilliger Spielregeln als Abbild der Kultur eines Unternehmens können unternehmerisches Handeln ganz wesentlich verbessern.

  • Mit dem neuen Standard ISO 19600, dem globalen Compliance Management Standard, sollen – voraussichtlich Ende 2014 -  die grenzübergreifend unkoordinierten Standards zu Compliance Management international harmonisiert werden.
  • Im Mittelpunkt steht die Definition von angemessenen Maßnahmen, die Compliance-konformes Verhalten bei den Lieferanten und den sogenannten Third Parties ( Agenten und Zwischenhändlern sowie weiteren involvierten Personen) festlegen.

Managerkönnen wird durch Regeln auch nicht besser!

Schade, könnte man sagen! Mehr aber ist nicht möglich: Das eigentliche Erfolgskriterium ist und bleibt unternehmerisches Können, Engagement, Talent, Begabung und Glück der Manager. Und das lässt sich durch keinen Kodex erreichen.

Hilfreich ist ein Kodex, wenn

  • er ein Kompendium relevanter Vorschriften für eine bessere Verhandlungsgrundlage mit Investorenoder Stakeholder ist
  • durch die Zusammenstellung der IST-Regeln in einfacheren Worten eine höhere Allgemeinverständlichkeit gesetzlicher und freiwilliger Spielregeln die Führung im Unternehmen unterstützt
  • Synergien im System transparent macht und
  • das WIR vereinfacht
  • Gesetzeslücken sinnvoll schließt. So kennen etwa das deutsche und österreichische geschriebene Recht keine Regeln zur Lösung von Interessenkonflikten zwischen Mitgliedern der Organe Vorstand und Aufsichtsrat auf der einen Seite und dem Unternehmen auf der anderen
  • sinnvolle SOLL-Regeln etabliert, abgeleitet aus Unternehmenskultur, Philosophie und Strategie. Diese Umsetzung der Führungsphilosophie in rechtlich verankerte Leitbilder und Spielregeln mit klaren Rechtsfolgen ist die spannendste Aufgabe für einen Wirtschaftsanwalt und die für das Unternehmen nutzvollste Beschäftigung mit der Corporate Governance

Haftungsausschluss gibt es nicht auf Rezept

Compliance geht über das Einhalten rechtlicher Pflichten hinaus. Sie umfasst auch präventive persönlichen Organisations- und Überwachungspflichten von Management und Aufsichtsgremien.
Letztlich muss eine Organisation so aufgebaut und geführt werden, dass Rechtsverstöße vermieden und das Management enthaftet wird.

Compliance umfasst auch Richtlinien, internen Standards und freiwilligen Kodizes – z.B. in der Corporate Governance - innerhalb eines Unternehmens.

  • Rechtssicherheit und Enthaftung gibt es nicht auf Rezept.
  • Unternehmen müssen vielmehr ihre Risiken individuell identifizieren, um ein effektives und effizientes Compliance Management betreiben und die Mitarbeiter in dieser Richtung anhalten zu können.

 

>> Haftungsrecht / Produkthaftung

Prof. Dr. Christoph Ph. Schließmann: Aktuelle Bücher (Kurzbeschreibung)

2015 Compliance im Kontext internationaler Strukturen: Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsprozesse, in: Berufsverband der Compliance Manager (BCM) e.V., Compliance 2015. Perspektiven einer Entwicklung, S. 141-162

2014 Leistungspotentiale im Fadenkreuz:
Die acht Dimensionen persönlicher und unternehmerischer Hochleistung

2014 Das Konzept Interdependenz:
Systeme verstehen - Dominoeffekte vermeiden