"Man sieht das Licht am Ende des Tunnels"Zu den Ergebnissen der diesjährigen Wirtschaftsumfrage der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer
Der Vorstand der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer (DKIHK) hat die Ergebnisse der diesjährigen Wirtschaftsumfrage unter den Mitgliedern der Kammer vorgestellt. In den Monaten Februar und März beteiligten sich 50 deutsche und kroatische Unternehmen an der Umfrage. Das Mitte April von der kroatischen Regierung vorgestellte Wirtschaftsprogramm konnte deshalb nicht berücksichtigt werden und hat die Ergebnisse der Umfrage noch nicht beeinflusst.
Die Ergebnisse spiegeln eine insgesamt sehr kritische Einschätzung der gegenwärtigen kroatischen Wirtschaftslage wider (Details siehe Anlage). „Bei der Bewertung der Aussichten der kroatischen Wirtschaft für das laufende Jahr zeigt sich jedoch eine deutliche Verbesserung verglichen mit dem Vorjahr. Man sieht das Licht am Ende des Tunnels,“ betonte Ralf Blomberg, Präsident der DKIHK, bei der Vorstellung der Ergebnisse. Ein leichter Stimmungsumschwung zeigt sich auch bei den geplanten Investitionsausgaben für das laufende Jahr und insbesondere bei der Einschätzung der Wirksamkeit der Maßnahmen zur Bekämpfung von Korruption und Kriminalität. Hier zeigen sich offensichtlich positive Wirkungen des im Sommer letzten Jahres von der kroatischen Regierung gestarteten Anti-Korruptions-Programms. Trotzdem belegen die vorliegenden Antworten, dass die angespannte Haushaltslage und die Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise deutliche Spuren hinterlassen haben. Besonders deutlich kommt das in der festgestellten erheblichen Veschlechterung der Zahlungsmoral zum Ausdruck.
Weil auch die deutsche Wirtschaft im Jahr 2009 einen dramatischen Rückgang zu verzeichnen hatte, ist der deutsch-kroatische Außenhandel im letzten Jahr um über ein Fünftel eingebrochen. Da sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft in der Zwischenzeit spürbar verbessert hat, sind die Voraussetzungen für eine Wiederbelebung der deutsch-kroatischen Wirtschaftsbeziehungen nicht schlecht. Dazu führte Blomberg aus: „Der bevorstehende EU-Beitritt Kroatiens eröffnet nicht nur kroatischen, sondern auch deutschen Unternehmen zahlreiche interessante zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten, vor allem in den Bereichen Energie (einschließlich erneuerbare Energien und Steigerung der Energieeffizienz), Infrastruktur (Bahn, Häfen, Flughäfen), Wasserver- und Abwasserentsorgung, Abfallwirtschaft und Tourismus. Deutsche Partner können in diesen Bereichen nicht nur hochwertige Technik und das dazugehörige Know-How liefern, sie haben oft bereits mit Partnern in den neuen EU-Ländern Erfahrungen gesammelt, wie man EU-Fördermittel beantragt und diese auf konkrete Projekte anwendet. Das alles können sie in die Zusammenarbeit mit kroatischen Partnern einbringen, was für beide Seiten von großem Nutzen sein kann. Deshalb widmen wir als bilaterale Kammer der Kooperationsanbahnung in diesen Bereichen ganz besondere Aufmerksamkeit.“
Parallel engagiert sich die Kammer weiter für die Beschleunigung von wichtigen gemeinsamen Projekten deutscher und kroatischer Unternehmen, die schon weit gediehen sind und von denen aus Sicht der beteiligten Partner ein nachhaltig positiver Effekt für die kroatische Wirtschaft ausgehen wird. Insbesondere im Energiebereich handelt es sich dabei um Projekte im Volumen von mehreren Milliarden Euro. Diese Projekte sind deshalb für Kroatien besonders interessant, weil sie die Wirkung eines extern finanzierten Konjunkturprogramms haben können.
Entscheidende Impulse für die Wirtschaftszusammenarbeit werden von dem Deutsch-Kroatischen Wirtschaftsforum erwartet, das die Kammer gemeinsam mit dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und der Deutschen Botschaft Zagreb für den 15. und 16. Juni mit Hochdruck vorbereitet. Dieses Forum in Zagreb hat die kroatische Premierministerin Jadranka Kosor während ihres Berlin-Besuches im Februar angekündigt. Es wird deutschen und kroatischen Unternehmen eine hervorragende Gelegenheit bieten, sich über geplante Projekte zu informieren, die in Kroatien für die nächsten Jahre geplant und für die ausländische Beteiligungen erwünscht sind. Bis zum Juni werden auch erste Ergebnisse des ehrgeizigen Wirtschaftsprogramms der kroatischen Regierung vom April vorliegen.
Darüberhinaus wird sich die Deutsch-Kroatische IHK wie in den vergangenen Jahren mit vielseitigen Veranstaltungen in Kroatien und in Deutschland sowie mit einem umfangreichen Spektrum von Dienstleistungen für ihre mehr als 280 deutschen und kroatischen Mitglieder (aber auch für Nichtmitglieder) zur Unterstützung und Förderung der deutsch-kroatischen Wirtschaftsbeziehungen einsetzen. |